
Der Urdeutschländische Nudelsalat, aber ohne lecker-fetter Mayo und Matschnudeln. Zuerst kommen die mediterranen Aromen von Thymian durch, dann kicken die Olivas negras richtig ein, bis schlussendlich der Schafskäs mit richtig Punch aus der Balsamico-Note heraus noch mal die Bombe zündet.
Und so macht mans:
Man braucht:
- so 200g Penne
- eine Gewächshaus-Zucht-Melanzani, sonst 2 echte Melanzani, notfalls gehen auch Auberginen
- Olivas Negras (vllt 100g), supergschmackig
- Schafskäs (vllt auch 100g), supergschmackig, beste Bomber-Qualität, dass er einen auch wegbomben kann am Schluss
- einen ordentlichen Schuss Bonzen Balsamico (am besten aus Modena, ja der kostet richtig teuer, deswegen ja auch "Bonzen-Balsamico")
- Ne ordentliche Kelle frischen Thymian
- ca 4 Zehen frischen Knoblauch, feingehackt/gepresst
- ca 3 EL Tomatenmark, wer mag kann noch ein paar gschmackige Tomates dazu tun
- tüchtig extra vergine Olivenöl
- Hitzebeständiges Olivenöl
- Echten Vollgas-Pfeffer. Also einer, der beim Mahlen richtig Gas gibt und sein Aroma durch die ganze Küche verbreitet. Mmmmmmhh
- Mindestens 2h Zeit zum Durchziehen
Dann mal Vollgas!
Die Nüdelchen einfach etwa 10% unter der angegebenen Garzeit im Salzwasser kochen, die sollen noch etwas mehr als al dente sein, weil sie ja später beim Durchziehen noch nachweichen und man will ja in diesem Fall keinen Matschsalat machen. Abgießen, abschrecken, dann picken sie nicht aneinander und chillen lassen, wie man zu Neudeutsch sagt.
Während die Pasta gart, schneidet man die Melanzani längs in 1cm Abständen bis zum Strunk ein und haut ordentlich Salz auf die Schnittflächen. Das Salz wird das Wasser und Bitterstoffe entziehen, der Geschmack konzentriert sich. Nach etwa 10Min die Melanzani auspressen (die sieht dann schon richtig fertig aus, nur noch halb so hoch undso), dann die Schnittflächen abspülen, sonst wirds später zu salzig. Jetzt erneut etwas auspressen und anschließend würfeln. Die Würfel mit Olivenöl (hitzebeständig) vermischen, dann bei hoher Hitze in der Pfanne anbräunen, kurz vor Garzeit-Ende die Hälfte vom feingehackten/gepressten Knoblauch, sowie ein bisschen mit dem Messer geöffneten Thymian nach Gusto in die Pfanne schmeißen. Der Knoblauch muss garen (dann riechts so lecker), darf aber nicht verbrennen (dann riechts und schmeckts nussig-bitter). Roher Knoblauch macht sonst den eher nicht so leckeren Knoblauch-Atem und lässt einen außerdem nichts mehr vom Essen schmecken. Da fühlt man sich dann wie ein Raucher. Und die werden vom Rest der Gesellschaft in Restaurants ja auch in Gettos gepfercht. Alles aus der Pfanne nehmen, beiseite stellen.
In der noch warmen Pfanne das Marc de Tomate anrösten, neben dran den restlichen Knoblauch in Bratolivenöl garen. Mit etwas Wasser, oder viel besser, mit Tomatenessenz ablöschen (Das ist, wenn man eine leckere Tomate in die Händchen nimmt und über der Pfanne auspresst). Thymian mit hineinlegen. Alles abkühlen lassen (kann man in eine große Schüssel tun), mit Balsamico und ein bisschen Extra Vergin Olivenöl vermischen, Salzen, wer mag leicht Zuckern (gerade, wenn man mit Tomatenessenz arbeitet ist das nicht verkehrt). Mengenmäßig so viel Balsamico, Tomatenessenz und Wasser verwenden, wie einem der Hausverstand vorgibt.
Guad, etz hammas glei eh scho. Bloß noch die Olivas Negras entsteinen und zerkleinern (die Chunksize kann nach Gusto variieren, möglich sind auch ganze Olivas). Den Schafskäse auch zerbröckeln. Auf gar keinen Fall schneiden, man braucht die große Oberfläche einer Bruchstelle, damit er so richtig Aromen in sich aufsaugen kann. Im Übrigen ist hier natürlich kein Feta gemeint, aber das sollte klar sein. Man könnte aber auch einen Büffelkäse verwenden.
Die Pasta mit dem Tomaten-Balsamico-Dressing vermischen (schön mit den Händchen, dann weiß man, woran man ist), Schafskäs und Olivas Negras zufügen. Abschmecken (mit Balsamico, Salz, evtl. Zucker). Abgedeckt durchziehen lassen, aber nicht im Kühlschrank.
Vor dem Servieren extra vergine Olivenöl darüberträufeln, bzw. eigtl kann man da schon ne ordentliche Kelle drauf klatschen, aber es soll natürlich kein Ölsalat werden. Und jetzt darf endlich der frische Pfeffer drüber gemahlen werden.
Mit frischen Thymianzweigen garnieren. Sich wegbomben lassen.
Troubleshooting:
Wer jetzt hergeht und sagt
'Ah I hob grad koan Balsamikoh dieh Modena da, da nimm i eimpfoch an andern, des geht scho aa.'
wird natürlich nicht auf seine Kosten kommen. Man muss wirklich abgefahrene Zutaten verwenden. Hier eine Liste, mit wieviel geschmacklichen Einbußen man rechnen muss beim Substituieren mit einem scheinbar ähnlichen Produkt:
- riesen-Gewächshaus-zucht Melanzani statt echten: -5%
- Standard Knoblauch, statt frischem: -10%
- fertig gemahlener, alter Pfeffer statt frischem, frisch gemahlenem: -15%
- Bratöl für die kalte Küche: -15%
- Extra Vergin Öl zum Braten: -20%
- getrockneten Thymian statt frischem: -20%
- wässerige Tomaten ohne Geschmack: -20%
- übergarte Pasta: -47%
- geschwärzte Oliven statt schwarze Oliven: -52%
- Supermarkt-Essig, statt Balsamico: -62,5%
- Feta statt Schafskäs: -71,2%
Das würde man im ersten Moment vielleicht gar nicht glauben. Doch wenn man es dann, wie hier, schwarz auf weiß vor sich hat, sieht man erst ein Mal, wie viel Geschmack tatsächlich auf der Strecke bleibt. Man mag noch denken "Okay, ich kauf einfach die Supermarkt-Gewächshaus Melanzani, das sind nur 5%, dann hab ich immer noch 95% Geschmack drin." Aber wie man immer so schön sagt: "Wehret den Anfängen!" Da ist man dann gleich ganz schnell dabei, dass man noch mehr weglässt und man kommt schwuppdiwupp auf -237,7% Geschmack. Das Essen schmeckt also nach weniger, als wenn man es gar nicht gemacht hätte. Denken Sie da mal drüber nach.
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